Labyrinth - gerade in Umbruchzeiten brauchen wir Orientierung
Strategie! Und wozu?
September 10, 2025
Labyrinth - gerade in Umbruchzeiten brauchen wir Orientierung
Strategie! Und wozu?
September 10, 2025
Bild von Pinterest - ich kann nichts dafür - ich bin so
Bild: Die entscheidende Frage ist, ob wir diesen Spruch – oft auf T-Shirts zu sehen - mit einem Augenzwinkern verstehen oder ganz wörtlich nehmen. Im ersten Fall sehe ich es als Anstoß, um aus der selbst gewählten Bequemlichkeit auszusteigen, im zweiten Fall ist es die deklarierte Selbstaufgabe, weil ich mich zum Opfer der Umstände erkläre und kein Potential für die eigene Weiterentwicklung sehen will. Quelle: pinterest.com/pin/835488168412192855/

Die Medienberichte und Diskussionen bis hinein in die Stammtische zeichnen ein zunehmend düsteres Bild über uns in Europa: Irgendwie sei unsere Zeit vorbei, wir würden von China ohnehin überrollt werden, selbst die USA sei weniger irrlichternd als wir Europäer. Man bekommt dabei den Eindruck, dass es eine neue Volkskrankheit gibt, nämlich die kollektive Selbstaufgabe!

Vielleicht ist dieser Befund etwas scharf formuliert. Natürlich gilt es bei jeder Strategie den Blick kritisch nach außen zu richten, um nicht in der eigenen Selbstgefälligkeit zu versinken. Dieser Blick nach außen macht aber nur dann einen Sinn, wenn ich anschließend den Blick auf die eigenen Qualitäten und deren Entwicklungspotentiale richte und nicht in Selbstmitleid und Verzweiflung versinke. Gerade da können wir von China sehr viel lernen: China hat sich nach einem selbstzerstörerischen politischen Experiment nicht einfach aufgegeben, sondern sich vielmehr auf die Kraft der eigenen Kultur besonnen, um in Zukunft wieder jenen Platz in der Welt einnehmen zu können, den sie in der Geschichte über Jahrtausende hinweg gehabt hat. China war historisch betrachtet immer eine innovative und starke Volkswirtschaft. Wieso sollte China das nicht auch in Zukunft wieder sein. (Wer sich historisch zu wenig auskennt, findet dazu z.B. im Buch „China und der Westen“ erhellende Einsichten des Volkswirtschaftsprofessors Wolfram Elsner.)

Und das kann genauso für uns als Europa und für jede einzelne Organisation gelten: Zentrale Errungenschaften einer modernen Welt sind in Europa, in unseren Universitäten, in unseren Unternehmen und Institutionen entstanden. Es ist wohl kein Zufall, dass viele Menschen genau aus diesem Grund nach Europa kommen und in unserer Organisation arbeiten wollen. Doch auch hier konzentrieren wir uns eher auf die Abwehr von Menschen, anstatt stolz nachzufragen, was diese Menschen zu uns kommen lässt. Genau in diesen Antworten liegt nämlich die eigentliche Innovationskraft. Genau darin wird offensichtlich, was uns zum Sehnsuchtsort macht. Darin verborgen sind die Potentiale für den zukünftigen Erfolg!

Jedes Unternehmen für sich und Europa als Ganzes sollte sich daher die Frage stellen: Wofür könnten wir als Sehnsuchtsorte für Kund*innen und Mitarbeiter*innen stehen, weil es gerade jetzt in Umbruchzeiten unsere Leistungsfähigkeit, Kompetenzen, Fertigkeiten oder Wissen so dringend braucht? Und zwar: Genau von uns!

Pessimismus und Selbstaufgabe ergeht sich im Gegensatz dazu in Diskussionen um ein „Beharren auf dem Bisherigen“ statt des Trends der Zeit selbstbewusst den Stempel „von uns als Sehnsuchtsort“ aufzudrücken. Beharren ist keine inspirierende Antwort für Menschen, weder in Europa noch in der Welt. Ein selbstbewusster Sehnsuchtsort - trotz aller Schwierigkeiten - sein zu wollen, ist es allerdings schon. Und das gilt für einzelne Organisationen und Teams genauso wie für Volkswirtschaften oder einzelne Wirtschaftszweige.

Statt des Bejammerns jeder Innovation und jeder Wachstumstechnologie, die (sehr oft erst im zweiten Schritt) von außen kommt, könnten wir unsere Energien darauf lenken den nächsten notwendigen Innovationsschub zu liefern: nachhaltiger, gesünder, menschengerechter, ökologischer, demokratischer, resilienter, fairer, edler, … 

Ein positiver Lichtblick in diese Richtung ist der steirische Wirtschaftslandesrat Willibald Ehrenhöfer. Während andere versuchen, die global nicht mehr zu bremsenden Entwicklungen im Mobilitätsbereich weiter aussitzen oder ausblenden zu können, zeigt er als Politiker jene Haltung, die eigentlich Führungskräfte aus der Wirtschaft auszeichnen sollte: „Wir können so viel. […] Wir brauchen ein leistungsgerechtes Mindset: Wenn wir es richtig anpacken, können wir etwas bewegen.“ (Zitat in der KLEINEN Zeitung vom 25.11.2025 im Beitrag „Chinas steirische E-Autopläne“). Das ist ein erfrischend anderer Zugang. Während andere oft blindlinks und mitunter selbstgefällig in die Falle eines selbsterfüllenden Pessimismus tappen, hält er mit einem positiven Gegenbild dagegen. Aus der Psychologie wissen wir, wie wichtig die eigene Wahrnehmung der Gegenwart für den Ausgang der eigenen Entwicklung ist.

Bei genauerer Analyse haben wir nämlich in Europa und speziell in Österreich eine unbeschreiblich gute Ausgangslage, die sich die meisten Organisationen und Führungskräfte in fast allen anderen Ländern der Erde nicht einmal erträumen können. Die erste und wichtigste Aufgabe von Führung liegt daher darin, unsere Aufmerksamkeit auf diese - im globalen Vergleich - unbeschreiblich gute Ausgangsposition zu lenken und damit diese „Pole-Position“ für die nächsten Schritte überhaupt erst nutzbar zu machen!

Und als Bonus-Track wir durch diesen Perspektivenwechsel hin zu anderen - nämlich positiven! – selbsterfüllenden Prophezeiungen vornehmen persönlich als Führungskraft, als Teams und als ganze Organisation noch damit belohnt, ganz neue Kräfte der Selbstwirksamkeit und des Erfolgs erleben zu dürfen. Es gibt eben nicht nur Teufelskreise, sondern auch sich positive, verstärkende Rückkopplungen. (Stichwort: Selbsterfüllende Prophezeiungen[1])

Dass Ihnen/Dir/Euch dieser selbstermächtigende Zugang immer öfter gelingen möge, wünsche ich von ganzem Herzen! Oft steckt man allerdings selbst so tief im Getriebe, dass der notwendige Perspektivenwechsel nur mit einem Impuls von außen gut gelingt – immerhin gibt es ja gute Gründe, wieso man so ist. Wenn ich diesen Impuls leisten könnte, würde mich das sehr freuen – getreu meinem Motto: 

Menschen verbinden ∞ Zukunft gestalten

Ihr
Dr. Kurt Schauer

[1] Selbsterfüllende Prophezeiungen (Robert K. Merton) sind als sozialer Mechanismus deswegen so wirkmächtig, weil laut den Soziologen gilt: „Wenn die Menschen Situationen als real definieren, sind sie in ihren Konsequenzen real.“ (Thomas-Theorem) Anmerkung: Der beste Beweis für die Richtigkeit dieser Theorie sind die grassierenden Verschwörungstheorien und so manche politische Bewegung, wie die MAGA-Bewegung in den USA.

 

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Raus aus der Pessimismus-Falle!
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