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Zuerst die wichtigste Klarstellung aus meiner Sicht: Gerade in Umbruchzeiten – also Zeiten hoher Dynamik und Unübersichtlichkeit - brauchen wir Menschen Orientierung, sonst verpufft unser Tun völlig in der Beliebigkeit unserer Handlungen. Und Strategie steht im besten Sinne für Orientierung.
Die Managementvordenkerin Rita McGrath antwortete auf die Frage, ob es heute überhaupt noch Strategien braucht, mit folgender erhellenden Geschichte:
Ein Feldherr schickte eine Gruppe Späher in die Berge. Sie sollten erkunden, wo der Feind lag. Plötzlich fing es heftig an zu schneien, und die Späher kamen nicht zur verabredeten Zeit zurück. Der Feldherr machte sich schwere Vorwürfe. Er fürchtete, seine Leute nie wiederzusehen, zumal sie keinerlei Kenntnis über die Gegend hatten. Doch nach ein paart Tagen tauchten sie wohlbehalten wieder auf. Als er sie fragte, wie sie in den verschneiten Bergen und auf ungekanntem Terrain wieder zum Lager zurückgefunden hatten, zog einer eine alte Karte aus der Tasche und sagte: „Wir waren verzweifelt, aber diese Karte hier hat uns den Weg gewiesen.“ Der Feldherr bat darum, einen Blick darauf werfen zu dürfen. Wie sich herausstellte, war es eine Karte der Alpen – nicht der Pyrenäen, wo sie sich befanden.
Die fast zwingende Frage auf diese Geschichte, ob es sich bei der Karte um eine Art Placebo handeln würde, verneint sie ganz klar. Denn: Letztlich zeigen alle Karten gewisse Grundmuster, die uns in der Verzweiflung helfen: praktisch jeder Bach führt zu einem Fluss und jeder Fluss führt zu größeren Siedlungen, ganz egal wo auf der Erde.
Damit wird in dieser Geschichte die wohl wichtigste Aufgabe einer Strategie deutlich: Gerade dann, wann wir verwirrt und verunsichert sind, gibt sie uns einen Hinweis darauf, wie wir uns „in der Landschaft“ – also dem Markt - bewegen können und sollen. Damit wird die wichtigste Aufgabe einer Strategie in einer Phase der Verunsicherung deutlich: Wir sichern damit das Wiedergewinnen bzw. Bewahren der eigenen Handlungsfähigkeit. D.h. bei der Strategie geht es nicht so sehr um das Ziel (also das Wohin) und auch nicht so sehr um die Mission (also das Warum), sondern vielmehr um klare Leitplanken (Rahmen) für die nächsten Schritte auf dem Weg zum Ziel (also darum, wie wir uns verhalten sollen).
Und auch das zeigt die eigenwillige Erzählung: Strategie hilft als gerade dann die Menschen auszurichten, wenn wir von Informationen abgeschnitten sind und wenn sich das Umfeld anders entwickelt als gedacht, also immer dann, wenn es um den praktischen Führungsalltag und nicht um schöne Lehrbuch-Methoden geht. Gerade dann also, wenn ohnehin zu wenig Ressourcen vorhanden sind, hilft sie uns die noch verbleibende Energie zu bündeln.
Und diese Erzählung macht noch etwas deutlich, dass es nämlich für die Gruppe überlebenswichtig war, eine Landkarte gehabt zu haben, und zwar egal welche. Das mag auf den ersten Blick wie ein schlechter Scherz klingen. Auf den zweiten Blick erkennen wir aber, dass es darum ging, grundsätzliche zu erkennen, wie wir uns im Gebirge überhaupt bewegen können. Übertragen wir das auf Unternehmensstrategien, so sollten wir beim Erstellen einer Strategie darauf achten, wie wir den Menschen im „Wie“ eine gute grundsätzliche Orientierung geben können. Gleichzeitig sollten wir übertriebene Details eher zurücknehmen, weil sich diese in einem dynamischen Umfeld ohnehin ständig ändern und rasch nicht mehr gültig sein werden. Kurzum, wir sollten uns auch beim Erstellen einer Strategie entspannen und auf die Intelligenz und Kompetenz unserer „Späher“ vertrauen.
Eine gute Strategie gibt den Menschen gerade so viel Orientierung, dass sie einen neuen Weg mutiger einschlagen, als sie es ohne diese tun würden. Widerstehen Sie dabei der Versuchung, bis ins Detail ausgearbeitete Strategien vorzulegen. Denn solche Strategien schwächen Eigenverantwortung, Engagement und Selbstwirksamkeit – gerade bei den Besten. Zudem verlieren sie schnell an Gültigkeit und verursachen überdies einen unverhältnismäßig hohen Aufwand in der Erstellung.
Ich wünschen Ihnen/Dir in diesem Sinne den Mut zu einer gewissen „Großzügigkeit“ in der Strategiearbeit, um den Fokus auf die grundsätzlichen Orientierungspunkte zu richten und damit das zu liefern, was die Menschen wirklich brauchen und was sie wirklich stärkt.
Viel Freude beim Aufspüren dieser Grundmuster Ihrer Landkarte! Und wenn ich dabei einen Input leisten kann, würde mich das sehr freuen, getreu meinem Motto:
Menschen verbinden ∞ Zukunft gestalten
Ihr
Dr. Kurt Schauer




