Schwarzwälder Kirsch Torte als Symbolbild, Bildquelle: www.pinterest.com/pin/ 666392076131445383/
Das Kreuz mit dem kooperativen Vorteil
März 6, 2026
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Urlaub – und dann?

Sonnenuntergang (c) Dr. Kurt Schauer
Bild: Lässt uns der letzte Sonnenuntergang im Urlaub beruhigt und beschwingt zurückkehren oder weckt er in uns den Schmerz des Abschieds und des Verlustes? Beides ist in diesem Foto angelegt! Aber es sind zwei völlig verschiedene Wirklichkeiten für uns als Heimkehrende. Foto: Dr. Kurt Schauer, Sonnenuntergang in Karpathos, Arkasa

Der Urlaub ist bei uns fast zu einer Art Grundrecht geworden – und idealerweise sollte er möglichst lange dauern. Dabei ist er historisch betrachtet ein sehr modernes Phänomen. Selbst in Österreich war er für die meisten Menschen noch vor 50 Jahren eher Ausnahme als Selbstverständlichkeit. Die Frage ist daher: Wenn Urlaub für uns so wichtig ist, stellt sich die eigentliche Frage vielleicht erst danach: Was nehmen wir aus dieser besonderen Zeit mit in die viel längere Zeit zu Hause und in der Arbeit – jenseits von schönen Erinnerungen, ein paar Souvenirs und vielen Fotos? Denn auch das sehnsüchtige Besingen des Dortbleibens ist keine Lösung, weil wir damit nur einen anderen Alltag mit einem vielleicht sogar gleichen und nur scheinbar neuen Job erkaufen würden.

In diesem Artikel möchte ich daher zwei Aspekte herausgreifen, die hoffentlich einen anderen Zugang zum Verhältnis Urlaub-Arbeit schaffen, indem ich dazu anrege den Urlaub aus dem viel längeren „Danach“ zu betrachten. Die Verbindung mit dem Danach und dem Davor kann nämlich dem Urlaub eine ganz andere Tiefe und Bedeutung geben!

„Die machen das ja ganz anders!“

Wer in andere Länder reist – oft genügt ja schon in die Nachbarregion – wird rasch merken, dass dort so manches anders ist als zu Hause. Das muss ja nicht gleich das Fahren auf der „falschen“ Straßenseite sein oder das Essen mit Stäbchen. Im Urlaub sind wir aufmerksamer und wacher und erkennen die vielen kleinen und großen Unterschied zu dem, was wir einfach gewohnt sind und wir für das einzig Richtige und Normale halten. In der Architektur, in den einfachen Abläufen des Alltags, in den Gewohnheiten der Menschen, im Umgang miteinander - je genauer wir hinsehen, desto mehr Aspekte werden wir erkennen, die dort mitunter ganz anders gelöst werden als bei uns – und das mit derselben Selbstverständlichkeit wie bei uns.

Wir könnten also erkennen, dass andere Lösungen und andere Zugänge nicht nur möglich sind, sondern für die Menschen dort genau jene Lebensweisen darstellen, die sie bewusst wählen – und tatsächlich auch leben.

Aus meiner Wahrnehmung nutzen wir diese Erkenntnis viel zu wenig für unseren betrieblichen und wohl auch persönlichen Alltag zu Hause: Oft fragen wir uns eher, warum die Menschen dort etwas nicht genauso machen wie wir. Dabei könnten wir gerade im Anderen entdecken und ergründen, was auch für uns bereichernd, hilfreich – vielleicht sogar heilsam – sein könnte. Dabei würde so eine Erkenntnis aus dem Urlaub uns zu einer viel entspannteren Haltung in unserem Alltag zu Hause verhelfen. Sie könnte uns nämlich dazu bringen, andere Zugänge nicht nur widerwillig zu ertragen, sondern als Bereicherung wahrzunehmen. Wir könnten uns auf das Andere auch zu Hause freuen oder ihm wenigstens mit zurückhaltender Neugierde begegnen. Im besten Fall könnten wir Aspekte dieses Anderen aus dem Urlaub im eigenen Alltag sogar aktiv integrieren und dadurch etwas Neues schaffen! Kurzum: Urlaub könnte Impulse dafür liefern, um Innovationen mit Lust, statt mit Druck umzusetzen. Dann würden die tollen Urlaubserlebnisse in ganz neuer Form in unsere Arbeit und unser Leben hinüberreichen!

„Endlich einmal Ruhe!“

Viele Menschen sagen, dass sie den Urlaub ganz dringend brauchen, weil sie endlich zur Ruhe kommen wollen und den Stress nicht mehr aushalten. Und dann buchen sie einen Aktivurlaub mit einem „Actionplan von ChatGPT“ statt einer erholsamen und entspannenden Sommerfrische[1]. Auch wenn das auf den ersten Blick wie ein Widerspruch wirkt – und es mitunter auch ist –, können wir aus der Sehnsucht nach Ruhe und Entspannung im Urlaub für unseren Alltag zu Hause ganz andere Schlüsse ziehen als nur: „Und irgendwann bleib i dann durt.“

Für die Aktivurlauber geht es ja offensichtlich weniger um die vordergründige Ruhe, als vielmehr um ein anderes Tun, sonst würden sie wirklich „Ruhe geben“! Wir könnten daher diesen Wunsch nach einer anderen Aktivität oder einer anderen Qualität des Tuns selbst als Impulsgeber für unseren Alltag zu Hause verwenden: Was bewegt mich hier in einer anderen, weitaus mehr inspirierenden Weise?

Jedes Produkt und jeder interne Ablauf kann mit diesem Filter der „anderen Aktivität“ tatsächlich zu einem ganz anderer werden – und letztlich dabei helfen, wirkliche Alleinstellung verbunden mit einem wirklichen inneren Wollen zu schaffen.

Und dann bleibt noch die ganz grundsätzliche Erkenntnis, dass ein Leben ohne Ruhephasen schlicht nicht möglich ist. Der Wechsel von Anspannung und Entspannung ist das Zeichen unseres Lebens. Ein hoher Puls ist ein Zeichen von hoher Leistung. Ein hoher Puls wird nämlich nur dann zum Problem, wenn er dauernd hoch ist. Was wir also aus dem Urlaub mitnehmen können, ist ein bewusstes Achten auf den optimalen Wechsel zwischen Ruhe und Leistung - also auf den richtigen Puls für unseren Alltag. Leider übersehen wir im Alltag oft die Tatsache, dass gute Entspannung und hohe Leistung wie zwei sich gegenseitig verstärkende Geschwister sind, und nicht etwa Gegensätze! Denn es ist im Unternehmen wie im Sport: Das eine ist nur mit dem anderen zu haben! Wenn wir dies für unseren betrieblichen Alltag mitnehmen könnten, dann wäre viel gewonnen, persönlich und für das ganze Team!

Eine alte Weisheit besagt, dass alles seine Zeit hat! Und daher gibt es Aspekte, die nur zu der jeweiligen Zeit gehören sollten. Wir sollten also die eine Zeit – den Urlaub – nicht gegen die andere Zeit – die Arbeit oder den persönlichen Alltag – ausspielen. Vielmehr sollten wir jeder Zeit ihre eigene positive Bedeutung zugestehen, auch wenn uns das als urlaubshungrige und stressgeplagte Menschen im ersten Moment absurd erscheinen mag. Und gleichzeitig gilt es darauf zu schauen, was uns die eine Zeit für die andere Zeit mitgeben will. Denn das Besondere, weil Andere, in der einen Zeit kann der Keim für Innovationen in der anderen Zeit sein.

Die Kunst besteht darin, diese oft so strikt getrennt gedachten Welten von Urlaub und Arbeit bzw. Urlaub und Alltag und die damit verbundenen emotionalen Aufladungen einmal gedanklich beiseitezulegen. Natürlich nicht sofort, d.h. nicht während des Urlaubs, denn alles hat seine Zeit, sondern im Übergang und im Einstieg in den Alltag, damit wir die vielen Eindrücke und die Energie aus dem Urlaub auf eine neue Weise nicht nur als Fotos und verblassende Erinnerungen in den Alltag mitnehmen können. Ich wünsche, dass Ihnen/Dir das gut gelingen möge, und dadurch etwas mehr von dieser Begeisterung und Neugierde des Urlaubs in unseren beruflichen und persönlichen Alltag überspringen kann. Denn diese Energie hilft uns selbst und unseren Teams, getreu dem Motto: Menschen verbinden ∞ Zukunft gestalten

Ihr Dr. Kurt Schauer

[1] Ich vermute, dass viele das Wort Sommerfrische gar nicht mehr kennen, obwohl es bei den steigenden Sommertemperaturen vielleicht bald eine Renaissance erleben wird. Sommerfrische war ganz einfach für 3 Wochen in die Berge zu fahren, spazieren zu gehen und einfach die Natur zu genießen. Eine Fahrt mit dem Ruderboot oder der Besuch eines naheliegenden Städtchens, war dann schon Action und daher die echte Ausnahme in dieser Zeit.

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Urlaub - und dann?
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