Der blinde Fleck und das Unerwartete
März 8, 2022

Urlaub als Lehrmeister

Dr. Kurt Schauer Zukunftsberatung - Seminarraum im Freien

Für viele ist Urlaub einfach eine andere Zeit. Dabei könnten wir von dieser viel für den beruflichen Alltag mitnehmen, denn mit dem Urlaub ist es wie mit der Strategie: Unser Zugang bestimmt den Erfolg viel mehr als die Dinge selbst! Im Urlaub sind wir entspannter und könnten dadurch wirklich Neues erleben.
Paolo Rumiz, Italiens erfolgreichster Reiseschriftsteller, meinte in einem Interview in der KLEINEN: „Vergesst die spektakulären Urlaubsziele! Die vollkommenste Reise ist die zu Fuß von der eigenen Haustür weg. Der Geist muss aufnahmebereit sein wie ein weißes Blatt Papier, das darauf wartet, mit Farben, Gerüchen und Geräuschen bedruckt zu werden.“

Viele werden sich nun fragen, was uns diese blumige Sprache für den beruflichen Kontext bringen soll. Vielleicht das: Wenn wir Entwicklungen von Unternehmen und Führungskräften beobachten, fällt auf, dass bei gleicher Ausgangslage, gleichen Umständen und gleichem Wissen, die einen aus der Situation etwas machen und die anderen nicht. Wenn wir vom Zitat von Paolo Rumiz ausgehen, kann das nur bedeuten, dass die eine Person schlicht nur aufnahmebereiter war. D.h. was immer auf sie zugekommen ist, sie es wirklich wahrgenommen und wie ein weißes Blatt Papier aufgenommen hat, weil diese Person auch wirklich zuhören und hinsehen wollte. Die andere Person im Gegensatz dazu suchte wohl möglichst viele Bestätigungen für die eigene Sichtweise. Sie wollte gar nicht sehe,n was im besten Fall sein könnte. Und je machtbewusster Führungskräfte sind, desto weniger werden sie auf das Dagegenhalten der anderen eingehen.

Es geht in diesem Vergleich der beiden Menschen also nicht darum, dass beide unterschiedliche objektive Voraussetzungen gehabt hätten, sondern vielmehr darum, dass die beiden die Umstände ganz anders sehen wollten und dann auch gesehen haben. Das wahrlich Spektakuläre liegt viel näher als gedacht. Das Ferne wirkt meist ja nur deshalb spektakulärer, weil wir es einfach das erste Mal sehen.

Und Paolo Rumiz philosophiert über den richtigen Zugang zu den Dingen weiter: „Ziel des Reisens ist es, über die Begegnung mit anderen Menschen sich selber kennenzulernen. Alles andere ist eine Illusion. Das Reisen gibt uns die Gelegenheit, uns von allem Überflüssigen freizumachen. […] die Welt frei von Vorurteilen zu erkunden.“
Und damit kommt ein weiterer erfolgskritischer Punkt für jede Strategiearbeit zur Sprache. Wir lernen unser ganzes Leben, dass wir nur durch Hinzufügen und ein Mehr etwas erreichen werden. Sogar beim Rechnen in der Volksschule beginnen wir zuerst mit dem Addieren. Viele wirklich spannende Innovationen ergeben sich allerdings – gerade weil es so wenige tun – aus dem Weglassen. Der EINE Knopf des I-Phone ist dafür wohl das markanteste Erfolgsbeispiel der letzten Zeit. Auch hier ist es wieder eine Frage der Haltung: Kann ein Weniger überhaupt ein Mehr schaffen? – Selbst innerhalb von Apple hatten die meisten die Reduktion auf einen Knopf für eine „Schnapsidee“ gehalten.

Die Urlaubszeit hat den großen Vorteil, dass der unternehmerische Druck weg ist. Damit haben wir die große Chance ganz andere Zugänge und Haltungen auszuprobieren. Einer davon ist die Art und Weise, wie wir anderen Menschen, Orten, Dingen begegnen – wie ein weißes Blatt auf dem alles möglich ist, oder als fertig beschriebenes Blatt, auf dem eigentlich gar kein Platz mehr für etwas Neues ist. Kurzum geben wir Entwicklung und Innovation auf unserem Blatt real überhaupt eine Chance oder ist das Innovationsgerede nur ein Selbstbetrug, weil wir selbst es ohnehin besser wissen?

Ich wünsche Ihnen, dass Sie Ihren Urlaub genau in diesem inspirierenden Sinne verbringen können. Wirklich öffnen, wirklich begegnen, wirklich Raum für etwas anderes zulassen. Und ich wünschen in weiterer Folge, dass Sie diese Erlebnisse - aus dem „geschützten“ Rahmen des Urlaubs - im Herbst lustvoll in Ihren Unternehmensalltag integrieren können. Denn das ist viel mehr als einfach auftanken!

Dass Ihnen das heuer noch etwas besser als bisher gelingen möge, wünsche Ich Ihnen von ganzem Herzen!

Ihr Kurt Schauer

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